Der Sporn am Gurt — verlorenes Wissen?

Was der Sporn am Gurt wirklich tut

Ich habe es von einem Westernreiter gelernt. Das Knie nach außen drehen, den Sporn weit vorne an den Gurt bringen — und das Pferd hebt den Rumpf, die Brust kommt rauf, hinten tritt es unter, alles fließt plötzlich von hinten nach vorne durch. Nach 10 Jahren reiten. Vorher hat mir das niemand erklärt. Und ich kenne auch kaum einen der das benutzt.

Ich dachte erst, das wäre ein Western-Ding. Aber dann dämmerte es mir, dass ich das auch in der klassisch-barocken Arbeit und bei (wenigen) Dressur-Reitern schon gesehen habe.

Das nach außen Drehen des Knies und damit nach innen Drehen des Sporens hat einen Namen, der seit fast 200 Jahren in der klassischen Reiterei bekannt ist: effet d’ensemble.

Paradise Ranch Pferde und Natur Lindow

François Baucher — französischer Reitmeister, 19. Jahrhundert, Zirkus und Haute École — hat das als eigene Hilfe systematisch beschrieben und benannt. Die Sporen werden dabei so weit vorne wie möglich eingesetzt, unmittelbar hinter dem Gurt. Bei einem gut ausgebildeten Paar reicht dazu die bloße Schenkeldrehung, die die Spore an das Pferd bringt — das Pferd kennt das Signal und versammelt sich, bevor der Sporen zum Einsatz kommt. Im nächsten Schritt fängt das Pferd an, auf den Sitz zu reagieren und sogar schon das Drehen des Schenkels durch ein Anspannen des Kreuzes zu antizipieren.

Was anatomisch passiert

Der Bereich hinter dem Gurt ist kein zufällig gewählter Punkt. Dort liegt der Ansatz des Musculus serratus ventralis — der Muskel, der den Rumpf zwischen die Schulterblätter hebt. Wird er angesprochen, hebt sich der Widerrist, die Schulter wird freier, der Rücken wölbt sich auf. Das Pferd kann erst dann wirklich über den Rücken gehen. Vorher nicht.

Das bedeutet: Wer das Pferd über den Rücken reiten will, muss zuerst den Rumpf anheben. Und dafür braucht man eine Hilfe, die genau dort hinkommt.

Gurt vs. Flanke — Bauchers technische Unterscheidung

Baucher hat noch etwas Präziseres beschrieben: Es gibt zwei verschiedene Sporenorte für zwei verschiedene Ziele.

Am Gurt, mit konstantem Druck: versammelnd, balancierend, Rumpf heben — das ist der effet d’ensemble.

Weiter hinten in Richtung Flanke, intermittierend: tiefer, Hinterhand stärker belasten, Hinterbeine weiter untertreten lassen — das ist der rassembler, ein Schritt weiter.

Zwei Orte. Zwei Wirkungen. Kein Zufall.

Und die Knie-Außenrotation?

Das Knie nach außen zu drehen, um die Spore an den Gurt zu bringen, verändert den Sitz. Ich nenne das „Froschschenkel“, kann man sich einfacher merken. Das Risiko dabei: die Gesäßmuskulatur aktiviert sich, das Hüftgelenk sperrt — und damit blockiert man genau den Rücken, den man gerade öffnen wollte.

Die Lösung ist, das Hüftgelenk bewusst offen zu halten. Gesäß weich, Hüfte beweglich, Becken leicht vor — dann funktioniert die Rotation des Knies als präzises Instrument, nicht als Störung.

Das klingt einfach. Es ist auch einfach. Aber es muss geübt werden, bis es sitzt. Es hilft mit dem Becken sehr viel stärker als man denkt mit zu gehen und dabei die Schultern hinten zu lassen – das fühlt sich anfangs ein wenig wie ein rhytmischer Liegesitz an, vorallem im Galopp.

Was das mit Working Equitation zu tun hat?

Working Equitation verlangt ein Pferd, das durchlässig, rückenaktiv und aus der Hinterhand arbeitet — bei einem engen Tor, einem Slalom, einem Galoppwechsel auf engem Raum ist das unerlässlich. Ein Pferd, das auf der Vorhand hängt und den Rücken nicht benutzt, wird in der Working Equitation nicht manövrierfähig sein.

Der Sporn am Gurt ist kein Hohe Dressur-Luxus. Er ist ein Werkzeug, das die klassische Reitkunst präzise beschrieben hat — und das im Trail und bei der Rinderarbeit genauso relevant ist wie in Piaffe und Passage oder bei trageerschöpften Pferden, die physiotherapeutisch gearbeitet werden müssen um überhaupt erstmal Bauchmuskulatur zu entwickeln und aus ihrer „durchhängenden“ Symptomatik herauszukommen.

Bei vielen Reitern sind Sporen verpönt und gelten als Waffe – sie werden behandelt wie schwarze Magie – effektiv aber Sünde. Dabei ist – bei korrektem Einsatz – das absolute Gegenteil der Fall. Der Sporen ist das wirkungsvollste Mittel, um das Pferd „aus der Hängematte heraus“ in eine aufgewölbte, den Rumpf anhebende Position zu bringen – nur dann ist gesundes reiten „über den Rücken“ möglich. Da der Sporen von unten punktuell bestimmte Punkte triggern und damit eine anhebende Hilfe geben kann – was alle anderen Hilfen nicht können – ist er von besonderem Wert und ein unverzichtbares Mittel, eher ein Zeigestock, ein „Kitzelfinger“ oder eine Faszienrolle als eine Waffe. Zur Waffe werden Sporen nur, wenn sie gewaltvoll als solche eingesetzt werden.

Geht das nicht auch ohne Sporen?

Ja, Rücken anheben geht auch ohne Sporen. Aber da Schenkel und Gerte oftmals nicht dazu in der Lage sind, die richtigen Stellen zu erreichen, bzw. in der richtigen Art und Weise (wie ein kitzelnder Zeigefinger oder eine Faszienrolle von unten nach oben) einzuwirken, ist es ein großer Nachteil. Ohne Sporen das Verständnis fürs Anheben des Rumpfes und des „gehens über den Rücken“ zu erklären, ohne sich den Sitz kaputt zu machen oder das Pferd aus dem Takt zu bringen ist extrem schwer und bei Pferden, die sich sperren, hat der Reiter letztendlich keine nebenwirkungsfreie Hilfe mehr. Der Einsatz der Gerte findet meist zu weit hinten (auf dem Po statt direkt hinter der Wade) statt, außerdem verreißt das energische Schnippen, dass nötig ist, damit die Gerte sich um das Bein biegt, den Zügel, oft wird in der Hektik zu stark geschnippt oder die Gerten sind zu hart, weshalb sie sich garnicht genug biegen können. Der korrekte Einsatz der Gerte ist sehr viel schwieriger als viele Reiter glauben. Besonders wenn die Gerte (wie nach HDV12 und von Steinbrecht empfohlen) außen getragen wird, ist es als durchschnittlicher Reiter fast unmöglich, beim Einsatz der Gerte nicht im Maul zu rucken – was absolut kontraproduktiv und widersprüchlich ist.

Hinzu kommt, dass die Gerte anders wirkt als der Sporen – der „bohrt“ oder „kitzelt“ eher, die Gerte schnippt, zischt, wackelt im Rhytmus – ein eher zackiger impuls, während der Sporen auch mit gleichbleibendem Druck, verwahrend, mit doppelten Impulsen, rollend (mit Rädchen) etc. bedient werden kann, was viel mehr Information enthält.

Wird die Gerte immer innen getragen, wie es beispielsweise Baucher und Philipe Karl handhab(t)en, muss oft die Gertenhand gewechselt werden – auch das verreist wieder die Zügel und bringt Unruhe in den Reitersitz.

Selbstverständlich sollten nur Reiter mit Sporen reiten, die ein ruhiges Bein haben und das Pferd nicht versehentlich traktieren. Und Pferde sollten genau erklärt bekommen, was der Sporen bedeutet – erstmal im stehen, dann im Schritt, dann im Trab, usw.

Der Einsatz von Sporen sollte von einer kompetenten Person beigebracht werden – und genau da fängt das Problem für viele Reiter an. Besonders im Freizeitreiter-Bereich wird diese Hilfe großteils nicht gelehrt, eher wird mit der Gerte an den falschen Stellen rumgeschnippt, was die meisten Pferde gleichermaßen nervös und stumpf macht. Mag schon sein, dass der ein oder die Andere den Sporen am Gurt als Hilfe verwendet – und sicher gibt es auch klassische Reiter, der die den Sporen so nutzen. Aber es wird nicht leicht sein, jemanden zu finden, der sie auch lehrt. Auch Rückwärtsrichten ist meist eher ein „am Zügel ziehen“ als ein Pferd, dass sich aktiv über die Rückhand „zurückschiebt“.

Meine Vermutung ist, dass viele Trainer den Einsatz von Sporen nicht lehren, weil ihm bedauernswerter Weise ein Geschmäckle der Tierquälerei anhaftet. Nichts könnte falscher sein. Viele Reiter wären viel Weiter und Pferde gesünder, wenn der Einsatz des Sporens ordentlich gelehrt würde.

Baucher beschreibt im Wesentlichen den Einsatz des Sporens in zwei Positionen: am Gurt und mit zurückgelegtem Bein. Oft kombiniert mit einer nach oben einwirkenden inneren Hand, welche das Pferd veranlasst, das Gewicht von der inneren Schulter mehr auf die äußere Schulter zu bringen. Auch das Rückwärtsrichten findet maßgeblich über „Froschschenkel“ und Sporen am Gurt statt – was dem Pferd ein ausgezeichnetes, aktives Rückwärts lehrt.

Wenn du mehr darüber und über die Abstimmung mit anderen Hilfen lernen möchtest, melde dich gern.

Was ist Working Equitation? Der komplette Guide für Einsteiger

Was ist Working Equitation — und warum begeistert es so viele Reiter?

Working Equitation ist eine Reitsportdisziplin, die als Sportreiterei entwickelt wurde, um die Ausbildung von Arbeitspferden und Arbeitsreitern zu fördern. Im Kern geht es darum, Gelassenheit, Durchlässigkeit und das aktive Mitdenken des Pferdes in den Vordergrund zu stellen — Eigenschaften, die ein Arbeitspferd braucht, um in jeder Situation zuverlässig zu funktionieren.

Und genau das macht Working Equitation so wertvoll für jeden Reiter: Denn es sind exakt diese Eigenschaften, die auch ein Freizeitpferd erst zu einem richtig tollen Freizeitpartner machen. Ein Pferd, das gelassen auf Neues reagiert, das durchlässig auf feine Hilfen antwortet und das aktiv mitdenkt, statt nur zu reagieren — das ist das Ergebnis von Working Equitation.

Lebendige Tradition: Working Equitation heute

Die Wurzeln der Working Equitation liegen in der Arbeitsreitweise südeuropäischer Hirten — und diese Tradition ist alles andere als Geschichte. In Spanien und Portugal wird noch heute aktiv Arbeitsreiterei betrieben. Es gibt Städte, deren Straßen komplett mit Sandboden ausgelegt sind, weil das ganze Jahr über dort geritten wird. Riesige Festivals zelebrieren die Doma Vaquera, die traditionelle Arbeitsreitweise, und Working Equitation als modernen Wettkampfsport. Und natürlich gibt es noch immer zahlreiche Vaqueros — berittene Rinderhirten —, die täglich mit ihren Pferden im Einsatz sind und die Reitkultur lebendig halten.

Aus dieser Tradition, die seit Jahrhunderten Bestand hat und bis heute praktiziert wird, ist ein moderner Reitsport geworden, der die Fähigkeiten der Arbeitsreiterei in vier Disziplinen abbildet. Und das Beste daran: Er ist für absolut jeden Reiter zugänglich — vom blutigen Anfänger bis zum erfahrenen Turnierreiter, vom Shetlandpony bis zum Lusitano.

Working Equitation Training auf der Paradise Ranch Brandenburg

Die vier Disziplinen der Working Equitation

1. Dressur

Die Dressur in der Working Equitation unterscheidet sich von der klassischen Dressur vor allem durch eines: Sie hat einen Zweck. Jede Lektion — Seitengänge, Übergänge, Wendungen — bereitet auf die Arbeit am Hindernis vor. Die Dressuraufgaben werden je nach Klasse einfacher oder anspruchsvoller und reiten sich flüssiger, als man es von der klassischen Dressur kennt. Es geht um Harmonie, nicht um Perfektion.

In der Einsteigerklasse WE wird im Schritt und Trab geritten — das ist für jedes Reiter-Pferd-Paar machbar, das grundlegende Bahnfiguren beherrscht.

2. Stiltrail

Der Stiltrail ist das Herzstück der Working Equitation und das, was die meisten Leute sofort begeistert. Ein Parcours aus Hindernissen, die nacheinander in einer vorgegebenen Reihenfolge absolviert werden. Dabei wird bewertet, wie harmonisch, ruhig und präzise Reiter und Pferd zusammenarbeiten.

In den Einsteigerklassen WE und WA stehen 5 bis 8 Hindernisse auf dem Platz. Das bedeutet: längere Reitwege zwischen den Hindernissen, mehr Zeit zum Ankommen und weniger Stress. In den höheren Klassen steigt die Anzahl auf bis zu 18 Hindernisse.

Die Hindernisse selbst sind in allen Klassen identisch — es gibt keine „einfachen“ und „schweren“ Hindernisse. Die geringere Schwierigkeit in den unteren Klassen ergibt sich durch die niedrigere Anzahl der Hindernisse und die langsamere Gangart (Schritt und Trab statt Galopp).

Die Hindernisse im Überblick

Insgesamt kennt die Working Equitation 19 verschiedene Hindernisse. Hier die wichtigsten:

  • Tor — Öffnen, durchreiten, schließen, ohne loszulassen. Im Speedtrail manchmal auch als Seiltor, das geöffnet und wieder geschlossen wird.
  • Brücke — Drüberreiten oder drüberführen. Mindestens 2 Meter lang, maximal 50 cm hoch. Auch wenn sie wackelt und Geräusche macht.
  • Einfacher Slalom — Mindestens 5 Stangen, zwischen denen geschlängelt wird. Wendigkeit und Durchlässigkeit.
  • Parallelslalom — Zwei parallele Slalomreihen, die nacheinander geritten werden.
  • Zweitonnen — Eine Acht um zwei Tonnen. In den oberen Klassen stehen die Tonnen enger zusammen.
  • Dreitonnen — Drei Tonnen im Dreieck, jeweils mit gleich großen Volten umrundet.
  • Glockengasse — In eine enge Gasse (1,5 m breit) hineinreiten, eine Glocke mit der Hand läuten und rückwärts wieder herausreiten.
  • Pferch — Ein runder Pferch: Einreiten, den inneren Kreis einmal umrunden und wieder herausreiten.
  • Rückwärtsslalom — Sechs Stangen, rückwärts hindurch. Echte Feinarbeit.
  • Side Pass (Seitwärts über Stange) — Seitliches Übertreten einer oder mehrerer Bodenstangen. Saubere Seitengänge im Schritt.
  • Krug — An einem Tisch halten, den Krug aufnehmen und wieder abstellen.
  • Becher umsetzen — Einen Becher von einer Stange auf eine andere umsetzen.
  • Garrocha und Ringstechen — Die Garrocha (eine 2 bis 4 Meter lange Lanze) aus einer Tonne aufnehmen, im Galopp einen Ring von einem Stier-Modell stechen und die Lanze anschließend wieder in der Tonne ablegen.
  • Sprung — Ein kleiner Sprung, maximal 50 cm hoch. Erst ab Klasse WA.
  • Wassergraben — Ein Wasserhindernis, mindestens 2 Meter breit. Erst ab Klasse WL.
  • Kiesbett / Plane — Ein ungewöhnlicher Untergrund: Kies oder eine Plane, über die geritten wird.
  • Wall / Auf- und Absprung — Eine Rampe, die hinauf und hinunter geritten wird. Erst ab Klasse WL.
Working Equitation Trail-Training — Reiter am Hindernis

3. Speedtrail

Der Speedtrail ist im Grunde derselbe Parcours wie der Stiltrail — nur auf Zeit. Hier wird galoppiert, eng gewendet und schnell reagiert. Der Speedtrail ist die spektakulärste Disziplin und macht unglaublich Spaß, sowohl zum Reiten als auch zum Zuschauen.

Pferde auf der Paradise Ranch Brandenburg

Für Einsteiger ist der Speedtrail aber kein Thema. In den Klassen WE und WA gibt es keinen Speedtrail — er kommt erst ab Klasse WL dazu. Man kann also in aller Ruhe erstmal den Stiltrail meistern, bevor es an die Geschwindigkeit geht.

Um einen Eindruck zu bekommen, wie vollendete Working Equitation auf höchstem Niveau aussieht, lohnt sich dieses Video eines Speedtrails bei der Weltmeisterschaft:

4. Rinderarbeit (Cattle Penning)

Die Königsdisziplin. Hier wird mit echten Rindern gearbeitet: Ein einzelnes Rind muss aus einer kleinen Herde separiert und in ein Gatter getrieben werden. Das erfordert Übersicht, schnelle Reaktion und ein Pferd, das mitdenkt.

Rinderarbeit ist auf Turnieren erst ab Klasse WL vorgesehen — und auch dort nur, wenn die Veranstalter Rinder stellen können. Für Einsteiger ist sie also kein Thema, aber ein faszinierendes Ziel, auf das man hinarbeiten kann.

Rinderarbeit zu Pferd — Working Equitation auf der Paradise Ranch

Wer die Rinderarbeit trotzdem mal erleben möchte, ohne gleich auf Turnierniveau zu sein: Auf der Paradise Ranch bieten wir Einsteiger-Rinderkurse an, bei denen jedes Pferd in seinem eigenen Tempo an die Rinder herangeführt wird.

Warum Working Equitation gerade so boomt

Working Equitation wird in der deutschen Reitsportszene zunehmend als „Mega-Trend“ bezeichnet — und das aus gutem Grund. Der Sport verbindet Dinge, die in vielen anderen Disziplinen getrennt sind:

  • Dressur mit Sinn — Jede Lektion hat einen praktischen Bezug. Das Pferd versteht, warum es etwas tun soll, und arbeitet motivierter mit.
  • Vielseitigkeit — Dressur, Geschicklichkeit, Geschwindigkeit und Rinderarbeit in einer Disziplin.
  • Geländevorbereitung — Was du auf dem Trail übst, macht dich und dein Pferd im Gelände sicherer. Brücken, Engpässe, unbekannte Objekte — alles schon gesehen.
  • Jede Rasse willkommen — Vom Isländer über den Haflinger bis zum Warmblut. Working Equitation ist rasseneutral.
  • Jede Reitweise willkommen — Ob du aus der Dressur, dem Westernreiten oder dem Freizeitbereich kommst — Working Equitation schließt niemanden aus.
  • Gemeinschaft — Die WE-Community ist unglaublich offen und hilfsbereit. Es herrscht ein Miteinander statt Gegeneinander.

In Deutschland gibt es zwei Verbände: Die WED (Working Equitation Deutschland) und die WEO (Working Equitation Organisation). Beide bieten Lehrgänge und Turniere an. Die WED ist die deutlich größere, deutschlandweite Organisation und hat Regionalgruppen über ganz Deutschland verteilt — seit neuestem auch im Nordosten Deutschlands mit der Regionalgruppe Berlin-Brandenburg und zwei neuen Regionalgruppen in Sachsen.

Working Equitation Community — Reiter beim gemeinsamen Training

Working Equitation am Boden — auch ohne Reiten

Was viele nicht wissen: Working Equitation funktioniert auch komplett vom Boden aus. Gerade für Einsteiger, junge Pferde oder Reiter, die sich (noch) nicht sicher im Sattel fühlen, ist die Bodenarbeit am Trail ein perfekter Einstieg.

Dabei führst du dein Pferd an der Hand durch die Hindernisse — Tor öffnen, Brücke überqueren, Slalom laufen, rückwärts durch Stangen. Das Pferd lernt, dir zu vertrauen, auch wenn die Situation neu und ungewöhnlich ist. Und du lernst, dein Pferd klar und ruhig zu führen.

Auf WEO-Turnieren gibt es sogar eine eigene Bewertung für die Bodenarbeit. Man kann also tatsächlich an einem Working-Equitation-Turnier teilnehmen, ohne jemals aufzusitzen. Das senkt die Einstiegshürde enorm — und macht mindestens genauso viel Spaß.

Working Equitation Bodenarbeit am Trail — Paradise Ranch Brandenburg

Die Turnierklassen: Vom Einsteiger bis zum Profi

Das Turniersystem in der Working Equitation ist klar und durchlässig aufgebaut. Wichtig zu wissen: Die Hindernisse sind in allen Klassen identisch. Was sich ändert, ist die Anzahl der Hindernisse, die Gangart und ab welcher Klasse welche Disziplinen hinzukommen.

Führzügelklasse (WF)

Die Führzügelklasse ist für Kinder von 5 bis 10 Jahren gedacht. Ein Erwachsener führt das Pferd am Seil, während das Kind im Sattel sitzt. Es werden nur 2 bis 4 Hindernisse im Schritt absolviert — ein wunderschöner, stressfreier Einstieg in die Working Equitation für die Jüngsten.

Klasse WE (Einsteiger)

5 bis 8 Hindernisse, Dressur und Stiltrail. Kein Speedtrail, keine Rinderarbeit. Zwischen den Hindernissen wird im Trab geritten, die Hindernisse selbst werden im Schritt oder Trab absolviert. Die geringere Anzahl der Hindernisse bedeutet längere Reitwege und mehr Ruhe — perfekt für den Anfang. Hier reiten viele zum ersten Mal einen Parcours — und gehen mit einem breiten Grinsen nach Hause.

Klasse WA (Anfänger)

Ebenfalls 5 bis 8 Hindernisse, Dressur und Stiltrail. Kein Speedtrail. In dieser Klasse ist Galopparbeit optional — es darf zwischen den Hindernissen galoppiert werden, muss aber nicht. Die Hindernisse können im Schritt, Trab oder Galopp absolviert werden.

Klasse WL (Leicht)

Hier wird es ernst: 8 bis 12 Hindernisse, und zum ersten Mal kommen alle vier Disziplinen zusammen — Dressur, Stiltrail, Speedtrail und Rinderarbeit. Galopp ist ab dieser Klasse Pflicht, und es müssen einfache Galoppwechsel (durch Schritt) geritten werden. Der Speedtrail auf Zeit kommt hinzu. Und wer den Rinderschein hat, kann an der Rinderarbeit teilnehmen.

Klasse WM und WS

Für die fortgeschrittenen Reiter. 10 bis 18 Hindernisse, fliegende Galoppwechsel, und in der Klasse WS wird einhändig auf Kandare geritten — ganz in der Tradition der Arbeitsreiterei, bei der eine Hand für die Arbeit frei sein muss.

Working Equitation Dressurprüfung auf einem Turnier

Welches Pferd eignet sich für Working Equitation?

Die kurze Antwort: Jedes.

Natürlich sieht man auf Turnieren häufig iberische Rassen — Lusitanos, PREs, Criollos. Das liegt an der Tradition des Sports. Aber Working Equitation ist ausdrücklich für alle Rassen offen, und in der Praxis reiten genauso viele Leute auf Warmblütern, Haflingern, Quarter Horses, Isländern, Fjordpferden oder Ponys.

Was zählt, ist nicht die Rasse, sondern die Einstellung. Ein neugieriges, motiviertes Pferd, das gerne mitdenkt, hat am Trail seinen Spaß — unabhängig von Größe, Rasse oder Reitweise.

Dein Pferd sollte:

  • An der Hand erzogen sein
  • Grundlegende Hilfen verstehen (Schritt, Trab, Anhalten, Wenden)
  • Idealerweise ein Hinterhandweichen können (aber kein Muss für den Einstieg)

Mehr braucht es nicht. Alles andere lernt ihr gemeinsam auf dem Trail.

Working Equitation für alle Pferderassen — Training auf der Paradise Ranch Lindow

Working Equitation und Westernreiten — verwandte Wurzeln, verschiedene Wege

Working Equitation und Westernreiten werden oft verglichen, weil beide auf den ersten Blick ähnlich wirken: Arbeitsreiterei, schicke Hüte, Rinderarbeit, Trail. Und tatsächlich sind die Wurzeln eng miteinander verflochten.

Die nordamerikanischen und südamerikanischen Arbeitsreitweisen stammen ursprünglich von den spanischen und portugiesischen Arbeitsreitern ab. Die berittenen Rinderhirten hießen in Spanien und Südamerika Vaqueros. Mit der Besiedlung Nordamerikas entwickelte sich aus dem Vaquero der Buckaroo und daraus schließlich der moderne Cowboy.

Die Arbeitsreitweisen haben sich dabei in unterschiedliche Richtungen entwickelt:

  • Portugal und Spanien — Die Arbeitsreiterei ist auf Höchstversammlung ausgerichtet. Es wird mit aggressiven Rindern gearbeitet, die man sich unter anderem durch die Garrocha — eine lange Stange — vom Leib hält. Die Reiterei ist stark klassisch geprägt und betont Präzision und Eleganz.
  • Nordamerika — Hier standen riesige Flächen im Vordergrund. Cowboys mussten möglichst effizient riesige Rinderherden hüten, bewegen und brandmarken. Die Rinder sind eher scheu und laufen davon, weshalb das Lasso zum zentralen Werkzeug wurde. Die Reiterei wurde schneller, effizienter und pragmatischer als die klassisch geprägte südeuropäische Arbeitsreiterei.

Interessanterweise finden heute Einflüsse aus dem Westernreiten wieder Einzug in die Working Equitation — die Disziplinen befruchten sich gegenseitig. Working Equitation ist auch für Westernreiter offen, und auch im Westernreiten gibt es mit dem Trail und dem Extreme Trail Disziplinen, in denen teilweise ähnliche Hindernisse vorkommen.

Garrocha-Training auf dem Working Equitation Trail — Paradise Ranch

Working Equitation als Geländevorbereitung

Einer der größten Vorteile der Working Equitation, der oft unterschätzt wird: Die Arbeit am Trail ist die beste Geländevorbereitung, die es gibt.

Jedes Hindernis auf dem Trail simuliert eine reale Situation im Gelände:

  • Das Tor — Weidezäune öffnen und schließen
  • Die Brücke — Unbekannte Untergründe überqueren
  • Der Slalom — Enge Waldwege und Kurven
  • Das Kiesbett / die Plane — Ungewöhnliche Böden, Pfützen, Rascheln
  • Die Glocke — Unbekannte Geräusche und Objekte

Ein Pferd, das auf dem Trail gelernt hat, unbekannten Reizen ruhig zu begegnen, wird im Gelände deutlich gelassener sein. Wer mehr darüber lesen möchte, wie Working Equitation beim Geländetraining hilft, findet in unserem Artikel „Pferd hat Angst im Gelände?“ weitere Tipps.

Wie fange ich an?

Der einfachste Weg in die Working Equitation ist ein Schnupperkurs. Dabei lernst du die Hindernisse kennen, arbeitest vom Boden und/oder im Sattel und bekommst ein Gefühl dafür, ob der Sport etwas für dich und dein Pferd ist.

Auf der Paradise Ranch in Lindow (Mark), etwa eine Stunde nördlich von Berlin, bieten wir regelmäßig Trainingstage und Schnupperkurse an. Der Trail ist das ganze Jahr über aufgebaut und nutzbar.

Was du dafür brauchst:

  • Dein eigenes Pferd
  • Deinen normalen Sattel (egal welcher)
  • Reithelm (empfohlen)
  • Normale Reitkleidung
  • Keine Vorkenntnisse in Working Equitation

Mehr Details zum Ablauf findest du in unserem Schnupperkurs-Artikel.

Working Equitation Schnupperkurs — Einsteiger am Trail-Hindernis

Working Equitation in Brandenburg und Berlin

Die Working-Equitation-Szene in Berlin-Brandenburg ist jung, aber sie wächst rasant. Noch vor einem Jahr gab es in ganz Nordostdeutschland praktisch kein Angebot — keine Lehrgänge, keine Turniere, keine Trainingsmöglichkeiten.

Das hat sich grundlegend geändert: Es gibt jetzt eine aktive WED-Regionalgruppe Berlin-Brandenburg, regelmäßige Trainingstage auf verschiedenen Höfen, zwei Turniere jährlich und eine wachsende Community von über 100 Reitern.

Mehr über die Entwicklung der Szene in unserer Region liest du in unserem Artikel „Working Equitation in Brandenburg & Berlin — Endlich geht’s los!“.

Lust bekommen?

Wenn du neugierig geworden bist, melde dich einfach bei mir. Ich bin Josia, Regionalleiter der WED-Regionalgruppe Berlin-Brandenburg, und freue mich über jeden neuen Reiter in unserer Community.

Komm zu einem Trainingstag vorbei, probier einen Schnupperkurs aus oder vernetz dich mit anderen WE-Begeisterten in unserer WhatsApp-Gruppe:

WhatsApp-Gruppe Berlin-Brandenburg beitreten

Kommende Working-Equitation-Termine

13 Jun
Working Trainingswochenende — Vorbereitung Funpark Festival Paradise Ranch, Lindow Zweitägiges Trainingswochenende als Vorbereitung auf das Working Funpark Festival. Lehrgang, Schnupperkurs und Training.
10 Jul
Workation Festival Paradise Ranch, Lindow Dreitägiges Working Equitation Festival mit Show und Workercamp (10.–12. Juli 2026).

Working Equitation in Brandenburg & Berlin — Endlich geht’s los!

Wenn die Karte plötzlich leer ist

Wer sich vor einem Jahr die Veranstaltungskarte der WED (Working Equitation Deutschland) angeschaut hat, dem ist eins sofort aufgefallen: Ganz Deutschland war voll mit roten Stecknadeln — Lehrgänge hier, Turniere da, Trainingsangebote überall. Überall, außer im gesamten Osten. Berlin, Brandenburg, Mecklenburg, Sachsen — komplett leer. Kein einziger Lehrgang, kein Turnier, nichts. Wer in Nordostdeutschland Working Equitation ausprobieren wollte, musste weit fahren.

Das hat sich geändert.

Was hier gerade passiert

Seit Kurzem gibt es die erste WED-Regionalgruppe Berlin-Brandenburg. Gemeinsam mit Reitern, die über die WEO (Working Equitation Organisation) schon länger aktiv waren, bauen wir eine verbändeübergreifende Community auf, die den Sport in unserer Region nach vorne bringt — für alle, die Lust darauf haben.

Und Lust haben offensichtlich viele: Wir sind inzwischen weit über 100 Leute, die sich für Working Equitation in und um Berlin begeistern. Und es werden stetig mehr.

Für Neulinge gemacht

Wenn du noch nie etwas mit Working Equitation zu tun hattest, aber neugierig bist — dann bist du hier genau richtig. Unser Fokus liegt gerade ganz bewusst darauf, ein breites Angebot für Einsteiger, Neugierige und Schnupperer zu schaffen.

Working Equitation ist ein unglaublich vielseitiger Reitsport, der aus der traditionellen Rinderarbeit südeuropäischer Hirten entstanden ist. Im Kern geht es um Vertrauen, Kommunikation und Geschicklichkeit zwischen Reiter und Pferd — durch Dressurarbeit, einen Trail mit Hindernissen und, für die Fortgeschrittenen, auch Rinderarbeit. Jede Rasse ist willkommen, vom Warmblut bis zum Isländer.

Was es mittlerweile in der Region gibt:

  • Regelmäßige Trainingstage auf verschiedenen Höfen — offen für alle Levels
  • Schnupperkurse und Lehrgänge für den Einstieg
  • Zwei Turniere jährlich — ein WEO-Turnier und ein WED-Turnier
  • Ein Richter-Seminar der WEO in Velten
  • Rinderkurse in Vorbereitung — die ersten sollen demnächst starten

Auf der Paradise Ranch in Lindow (Mark), rund eine Stunde nördlich von Berlin, bieten wir regelmäßige Trainingstage an, die für jeden offen sind — egal ob du dein erstes Hindernis ansteuern oder dich auf ein Turnier vorbereiten willst.

Eine, die den Grundstein gelegt hat

Nicole Puhlmann — Pionierin der Working Equitation in Berlin-Brandenburg
Nicole Puhlmann — ohne sie gäbe es die WE-Szene in Berlin-Brandenburg nicht.

Die Working-Equitation-Szene in und um Berlin wäre nicht da, wo sie jetzt ist, ohne Nicole Puhlmann. Sie war mehr oder weniger die Erste hier, die den Sport wirklich aktiv gepusht, Leute zusammengebracht und die Szene aufgebaut hat. Das WEO-Turnier in Velten, das seit rund drei Jahren stattfindet? Geht auf ihr Engagement zurück. Vieles, was jetzt da ist, fußt auf dem Grundstein, den sie gelegt hat. Dafür sind wir sehr dankbar — und geben uns alle Mühe, unseren Teil dazu beizutragen, die Szene noch spannender zu machen und noch mehr Möglichkeiten zu schaffen.

Mehr von Nicole findest du auf Instagram: @nicolepuhlmann und @hengstresort_velten.

Du willst reinschnuppern?

Ich bin Josia, Regionalleiter der WED-Regionalgruppe Berlin-Brandenburg. Wenn du Fragen hast — zur Working Equitation allgemein, zu Kursen in der Region oder zu unseren Trainingstagen auf der Paradise Ranch — melde dich gerne direkt bei mir.

Paradise Ranch Pferde und Natur Lindow

Und wenn du dich mit anderen WE-Begeisterten aus der Region vernetzen willst, komm in unsere WhatsApp-Gruppe. Da teilen wir Termine, Lehrgänge und alles, was in der Szene passiert:

WhatsApp-Gruppe Berlin-Brandenburg beitreten

Pferd hat Angst im Gelände? So wird Ausreiten entspannt.

Dein Pferd scheut im Gelände bei jedem Rascheln? Du traust dich kaum noch raus, weil jeder Ausritt in Stress endet? Dann geht es dir wie vielen Reitern — und wie mir vor ein paar Jahren.

Ich erzähle dir, wie ich von einem ängstlichen Pferd gelernt habe, was wirklich hilft — und warum ein entspanntes Begleitpferd der Schlüssel sein kann.

(mehr …)